100 Jahre SVC Laggenbeck: Tischtennisabteilung feiert Erfolge mit Weihnachtsturnier

Pizzakartons in der Nacht

Von Holger Luck

LAGGENBECK. Der SV Cheruskia Laggenbeck ist 100 Jahre alt. Aus diesem Grund stellen wir die Sparten des Vereins nacheinander vor. Heute geht es um die Tischtennisabteilung, die mit dem Weihnachtsturnier einen echten SVC-Veranstaltungsklassiker etabliert hat.

Das erste Weihnachtsturnier vom 26. bis 28. Dezember 1980 legte einen Start nach Maß hin: An drei Turniertagen spielten 504 Teilnehmer in Summe 41 Stunden Tischtennis. Die Spieltage dauerten jeweils bis tief in die Nacht, teilweise wurde in der Halle (damals war es noch die des Goethe-Gymnasiums) übernachtet. Mit alldem setzte das erste Turnier Maßstäbe, die in den Folgejahren nicht selten noch getoppt wurden.

Als das Weihnachtsturnier seine Premiere feierte, spielte man beim SV Cheruskia bereits seit mehr als 30 Jahren Tischtennis. Und es war kein Zufall, dass die Turnier-Idee gerade in dieser Zeit, zu Beginn der 80er Jahre, geboren wurde. Damals erlebte die Abteilung ihre Blütezeit: Die Herrenmannschaft schaffte es bis in die Oberliga, die Damenmannschaft am Ende der 80er sogar in die Regionalliga, SVC-Spielerin Martha Wilke zählte zu den besten Seniorenspielerinnen Deutschlands, und die 1. Schülermannschaft wurde 1982 Westdeutscher Jugendmeister. „Wir mischten in diesen Jahren richtig gut mit“, sagt Peter Gaida-Runde. Der passionierte Tischtennisspieler erinnert sich gut, wie es mit dem Weihnachtsturnier seinen Anfang nahm: „Wir saßen eines Abends im Vereinslokal bei Sommermeyer zusammen, und plötzlich war der Plan eines großen, überregionalen Turniers auf dem Tisch.“ Die Konkurrenz zum Nachbarverein TVI, der damals schon mit seinem Osterturnier Erfolge feierte, habe da eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, so Gaida-Runde augenzwinkernd: „Wir haben uns gedacht, das können wir auch.“

Dass das nicht falsch gedacht war, zeigten die nächsten Jahre. Schnell etablierte sich das Tischtennis-Happening und lockte Spieler aus ganz Deutschland in den Brückenort, darunter immer wieder Tischtennis-Prominenz. Der SVC selbst stellte die meisten Sieger (65) in der Geschichte des Turniers, das natürlich auch die eine oder andere Anekdote schrieb. Reinhard Esch kennt sie alle. Nach Berthold Schmedt und Herbert Waltermann war er jahrzehntelang Hauptorganisator des Turniers und wurde in dieser Funktion erst 2016 von Lukas Gustenberg abgelöst. „Bei unserem Weihnachtsturnier kamen immer ganz viele Tischtennis-Verrückte zusammen. Eine Truppe von Arminia Ochtrup hat einmal nach Ende des Spieltages – also mitten in der Nacht – mit leeren Pizzakartons weitergespielt, weil die Jungs immer noch nicht genug hatten.“ Überhaupt wurde das Spielen bis tief in die Nacht zum legendären Markenzeichen des Turniers. Eine Geschichte ist in der Abteilung unvergessen: 1984 wurde der Sieg in der Spielklasse Herren A nicht ausgespielt, sonder per Los entschieden, weil die Akteure um 4 Uhr nachts nicht noch mal an die Platten wollten.

Neben unvergesslichen Momenten bescherte das Turnier dem Organisationsteam aber auch jede Menge Arbeit. „Vor allem in den ersten Jahren war es ein enormer Organisationsaufwand“, erinnert sich Esch: An die 20 Tischtennisplatten und Spielfeldumrandungen mussten „bei den Nachbarvereinen zusammengeliehen“ werden, da die eigene Ausstattung nicht reichte. Die Bewirtung der regelmäßig über 500 Teilnehmer nahmen die Frauen der „Alten Herren“ in die Hand. Gaida-Runde: „Hier wie in vielen anderen Bereichen funktioniert unsere Abteilung als Familienbetrieb.“

Heute ist man um einiges besser ausgestattet als damals und verfügt mit der Halle am Burgweg seit 1990 über einen idealen Austragungsort für das Turnier, das im Laufe der Jahre allerdings überschaubarer geworden ist. Gab es in der Anfangszeit noch drei oder sogar vier Spieltage sowie bis zu 561 Meldungen (Rekord 1990), so ging die Resonanz um die Jahrtausendwende deutlich zurück. Seit circa 20 Jahren wird deshalb nur noch an zwei Tagen (27. und 28. Dezember) gespielt.

Wie das Weihnachtsturnier kocht die gesamte Abteilung inzwischen auf etwas kleinerer Flamme als in den Glanzzeiten der 70er bis 90er Jahre. Von bis zu sieben Herrenmannschaften sind aktuell zwei geblieben. Eine Damenmannschaft gibt es seit 2013 nicht mehr. Immerhin sind nach langen Jahren mit Nachwuchssorgen wieder zwei Schülermannschaften am Start. Übrigens befindet sich auch das Weihnachtsturnier wieder im Aufwind: Die Jubiläumsauflage 2019 verzeichnete mit 419 Aktiven die stärkste Beteiligung seit 20 Jahren.

www.tischtennis.svc-laggenbeck.de

Tischtennis im SVC

Die 1946 gegründete Vereinssparte hat derzeit rund 70 Mitglieder. Abteilungsleiter ist Matthias Blom. Die 1. Herrenmannschaft spielt in der Landesliga, die 1. Schülermannschaft in der Bezirksliga. Um das Training kümmern sich Jürgen Bergjohann, Klaus Donnermeyer, Ute und Norbert Hergemöller, sowie Joel Bosse (Jugendwart).

»Wir haben uns gedacht, das können wir auch.«

Peter Gaida-Runde über die Ursprünge des Weihnachtsturniers

Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung, 12.5.2020 – Holger Luck (Autor)©ivz.medien GmbH & Co. KG, alle Rechte vorbehalten.“; Beispiel Bilder: „Foto: ivz-aktuell.de, 12.5.2020 ©ivz.medien GmbH & Co. KG, alle Rechte vorbehalten.